Dienstag, 25. Oktober 2011
thematisches

QUEERING QUEER - mit kritischer theorie gegen queer theory - oder:"QUEER IS NOT DEAD"

Im Film “Otto – or Up with Dead People” des schwulen Kultregisseurs Bruce La Bruce wird DER neue schwule Fetisch postuliert: geile Zombies - also schwuler Sex mit agilen Untoten.
Bereits 1978 liess George A. Romero in seinem Zombieklassiker „Dawn of the Dead“ die Untoten dorthin zurückkehren, wo sie sich während ihres Lebens am liebsten aufhielten: in die Shopping Mall. Bruce La Bruce lässt seine schwulen Zombieprotagonisten in schwulen Fetischclubs agieren und referenziert hiermit zur entfremdeten Marktförmigkeit kapitalistischen Daseins, in seinem (und unserem) Falle die Markförmigkeit (selbst)verwalteter Sexualität, wie sie sich in der Homosubkultur darstellt.
Diesem Zwang, seinen Körper zu Markte zu tragen, schien das Aufkommen von Queer als Heilsversprechen entgegenzutreten: schliesslich sollte es bei Queer „ums Ganze“ gehen.
jedeR von uns kennt die Urszene der Queer Theory:
es gälte, nicht nur das soziale Geschlecht, sondern auch das biologische als Konstruiertes zu begreifen und mit diesem Wissen die Trias sex (biol. Geschlecht), gender (soziales Geschlecht) und desire (Begehren) neu zu verhandeln.
Das „Heilsversprechen“ lag also darin, Anderes denkbar zu machen, als wie sich uns die Geschichte, die sich in einer heteronormativen (und seiner Abspaltung: homonormativen), patriarchalen, rassistischen und kapitalistischen Gesellschaft sedimentiert habe, entgegentrat.
Das Queer das Ziel hatte, neben der oben beschriebenen Trias weitere politische Felder (also u.a Rassimus, Kapitalismus) in den Blick zu nehmen, liegt in der Geschichte von Queer als soziale Bewegung begründet:
Diese fand ihren Ausgang in der AIDSkrise der 80er/90er-Jahre in den USA: hier habe – so das queere Narrativ - innerhalb der vermeintlich homogenen "Identitätsgruppe" der "Gays" eine Segregation stattgefunden: weisse, männliche und wohlhabende Homosexuelle hätten sich medizinische Versorgung leisten können, während Ärmere, People of Coulour, Transsexuals und Prostituierte von diesen Leistungen ausgeschlossen gewesen seien - die Bruchlinie ging also mitten durch das vermeintliche Kollektiv und Queer wurde zum Synonym des Aufbegehrens gegen diese Ein- und Ausschlussmechanismen, so die heutige Geschichtsschreibung von Queer.

Der „Blick aufs Ganze“ bzw. der „Kampf ums Ganze“ muss jedoch immer wieder an „queer“ herangetragen werden. So wird etwa ein Vernachlässigen der Betrachtung ökonomischer Verhältnisse an Queer oft und gerne kritisiert:
Schon 2001 titelte Katharina Pühl in der „Jungle World“: „ die Queer Theory muss ihren inneren dark continent entdecken, die Kapitalismuskritik“.
Damit zusammenhängend wird auch aus feministischer Sicht „Unbehagen von Gewicht“ (Zitat: PHASE2 2.32/2009) an Queer laut:
Durch das diskurslastige identitätsausflösende Moment an Queer mit der Infragestellung der „Kategorie Frau“ fallen patriarchale Momente und ökonomische Betrachtungen ins Hinterftreffen: Queer sei ein Verrat am Feminismus, weil politisch nicht handlungsfähig.

Diesen „realpolitischen“ Kritiken an Queer/Theory, die quasi dem heilsversprechenden „ein anderes Denken ist möglich“ die realen Verhältnisse entgegenhalten, wollen wir innerhalb unserer Veranstaltung QUEERING QUEER - mit kritischer theorie gegen queer theory einige erkenntnistheoretische Kritiken vorrauschicken.
Diese setzt beim dekonstruktivistischen queeren Denken selbst an, welches die Kritik als postmodernes Treiben in der Folge des (Post)Strukturalismus begreift:
Das queere/ postmoderne Denken sei ein Verharren im infantilen Zustand: ich lege mich nicht fest denn ich habe eine fluide, flexible Identität –( by the way: was den Anforderungen neoliberaler Ökonomie entspricht), ich nehme keine Haltung ein und treffe keine Entscheidungen mit Konsequenz.
Die Rede ist hierbei (sich Festlegen, Haltung einnehmen, Entscheidungen treffen) von den Anforderungen der Moderne im Sinne der klassischen aufklärerischen Metaphysik an das Individuum, einen „Subjektstatus“ einzunehmen, Selbst-Bewusstsein zu entwickeln, um Freiheit und Autonomie zu erlangen.
Die „fluide Identität“ des queeren Denkens hingegen – das sich durch Maskerade und Performanz immer wieder neu erfinde – setze – so die Kritik – Abweichung als Selbstzweck: es sei „Markenzeichen“ des postmodernen Denkens, dass das Besondere als schlechte, zu „dürre Abstraktion“ (Alex Gruber) verabsolutiert würde, das Allgemeine hingegen – also der Begriff einer Sache, die Abstraktion des Konkreten – aufgelöst würde, wodurch dialektische Vermittlung verunmöglicht werde, die die Basis einer vernünftig eingerichteten - und somit die am ehesten Glück verheißenden - Welt sei.
"Der Kritik geht es jedoch nicht um eine Restituierung positiver (Natur-)Metaphysik: Eher ginge es um so etwas wie "negative Metaphysik" (Karl Heinz Haag) - um das Festhalten des Wahrheitsgehalts der Metaphysik, dass Wahrheit nicht in der gegebenen Welt aufgeht." (Alex Gruber)

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