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Donnerstag, 17. September 2009

QUEEROGRAD 09 in Graz


Diskurs & Performanzen zwischen queeren und kommunistisch-emanzipatorischen Perspektiven / po(po)litainment – Identitätsdefizitärenz – Adorno-torture – Judith-Butler-dissing – drag-prolls – fröhliche Soldaten ihrer queeren Lust – Fragmente zum queeren Univeralismus & Emanzipation – Antisemitismus & Homophobie

queerograd ist ein Plattform-Format zwischen seriösem Diskurs und trashigem Politainment, bei dem in Theorie & performativer Praxis über heteronormative Matrix, Identitäten und Identitätskonstruktionen, Geschlechter- und Gesellschaftsverhältnisse, linke Perspektiven und radikale Globalismen diskursiv verhandelt wird.
Nach dem fulminaten Debut in Graz im November 2006, der komplexen Fortsetzung im November 2007 wird QUEEROGRAD nun zum 3. Mal in Graz von KIG! präsentiert.

Donnerstag, 15.10.09

- Samstag, 17.10.09



Theater am Lend

Wienerstr.58a, 8020 Graz

www.theateramlend.at


Schwerpunkt diesmal:
ausgestattet mit der - konstruktion der: schwulen - ideologie des edlen leibes
Positionen, Fragmente, Variationen und Widersprüche über (Homo)sexualität, Produktion von Männlichkeiten und faschistischer Ideologie - respektive die Konstruktion des schwulen Nazis.

Mit: Toxic Dreams, Didi Bruckmayr, Bulbul, nincompoop, meanmachine, djane teutonia aka Casper G. Zehner, Ljiljana Radonic, Gerhard Scheit, Marcel Wolters, Astrid Hanisch und Xela

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Programmüberblick

Donnerstag 15.10.09

Casper G. Zehner: Intro & Fragmente zum Schwerpunkt
Marcel Wolters
: Geschlechterfantasien: Von der Psychoanalyse des soldatischen Mannes zur
Psychoanalyse des Geschlechterverhältnis
Astrid Hanisch
: Antisemitismus als Ideologie und Strategie in der 1. Frauenbewegung im Deutschen Reich und der Habsburger Monarchie
Podiumsdiskussion (Moderation: Xela)
anschließend:
Umtrunk

Freitag 16.10.09

18:30 Uhr
Vorträge mit Podiumsdiskussion
Ljiljana Radonic
: Die Politisierung der Lust – Sexualität im Nationalsozialismus
Gerhard Scheit
: Erhabener Körper, quälbarer Leib
21:30 Uhr
Toxic Dreams
: Mein Camp - Eine Lecture Demonstration
23:00 Uhr
Liederabend mit Imbiss djane teutonia feat. Dr.Didi Bruckmayr
: Der mordtraurige Max - nazi-schwule Larmoyanz-Barden-Songs nach Jonathan Littell und Jean Genet
anschließend:
Leichtes Fest

Samstag 17.10.09

20:00 Uhr
Toxic Dreams
: Mein Camp - Eine Lecture Demonstration
21:30 Uhr
Sol Haring
: White Man Show
23:00 Uhr
Rock-Tuntismus-Schau:
Bubul feat. nincompoop
anschließend:
Rauschendes Fest

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Themenschwerpunkt des Festivals
Der Diskurs über den Zusammenhang von (männlicher) Homosexualität und Faschismus


T.W. Adorno konstatierte einen „Typus des Homosexuellen, bei dem die Begeisterung für das Virile sich mit der für Zucht und Ordnung paart, und der, ausgestattet mit der Ideologie des edlen Leibes, zur Hetze gegen andere Minoritäten bereit ist“. In den von psychoanalytischen Ansätzen beeinflussten linken Theorien gipfelte die Vorstellung vom „latent“ homosexuellen Nazi in Adornos Diktum „Totalitarismus und Homosexualität gehören zusammen“.
Dieses Thema wird heute wieder verstärkt als gesellschaftliches Tabu gehandelt und sowohl in der Genderdiskussion als auch in der historischen Auseinandersetzung mit der Nazizeit ausgespart. Einige wenige TheoretikerInnen und Kunstschaffende wie z. B. Klaus Theweleit in seinen „Männerphantasien" legten dennoch immer wieder den Finger auf diese Wunde, wofür sie von der Öffentlichkeit auf aggressivste Weise angefeindet wurden. Man nehme als Beispiel nur Elfriede Jelinek, die bereits 1991 und nochmals 2000 versuchte, einen Diskurs über Haiders "Buberlpartie" zu etablieren. Die bürgerliche Presse ging jedoch nicht auf das Thema ein, sondern zog sofort das Ass „Verleumdung“ aus dem Ärmel. Auch österreichische schwule Lobbyvereine wie die Homosexuellen Initiative Wien zeigten sich nicht begeistert. Es bestand eine Art "agreement", Haider nicht zu "outen", da er sich nie negativ zu Homosexualität geäußert hätte. Generell kann in der schwulen Community eine Affinität zu Alexander Zinns These beobachtet werden, der den „schwulen Nazi“ als Konstruktion der Exil-Linken in der Nazizeit verortet.
Völlig konträr dazu titelt das schwule Softpornomagazin "Du&Ich" im Jahr 2005 reißerisch: "Rechte Schande - was Schwule am Faschismus fasziniert". Johann Hari (Pseudonym!) kommt in dem zugehörigen Aufsatz zur Aussage: "(...) alle wirklich wichtigen europäischen Faschisten der letzten 30 Jahre waren schwul" (Pim Fortuyn, Michael Kühnen, Jörg Haider) und noch weit provokativer: "Es wird Zeit, sich einzugestehen: Faschismus ist ein schwules Problem". Bezeichnend für diesen Artikel im Softpornomagazin ist die Illustration mit Pinup-Fotos eines „böse dreinschauenden“ Skinheads.


Im Rahmen des Festivals queerograd 09 werden diese unterschiedlichen Positionen aufgezeigt, diskutiert und performativ de/rekonstruiert

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